Die Entsagende (comhi'letzii)

»Entsagende? Was sind das - Nonnen?«
fragt Marguerida Alton in 'Asharras Rückkehr' (Seite 169)

Wenn ihr das auch wissen wollt, dann wird euch diese Zusammenfassung sicherlich weiterhelfen. Brigham Conover, der Leiter der terranischen Ethnologie gibt eine ziemlich gute Zusammenfassung ab.

Conover grinste, und seine Augen leuchteten. »Nein, keine Nonnen, jedenfalls nicht in dem Sinn, in dem Sie das Wort kennen. Die "Gilde der Entsagenden" oder "Freien Amazonen" sind eine Gruppe von Frauen, die beschlossen haben, den Einschränkungen der darkovanischen Zivilisation den Rücken zu kehren. Sie heiraten nicht, was hier beinahe undenkbar ist, und wenn sie ein Kind gebären, dann geben sie ihm nicht den Namen des Vaters. Sie begannen als Führerinnen und Begleiterinnen, dann haben sie ihre Rollen ausgeweitet bis hin zu Hebammen und Erzieherinnen. Sie wurden in den letzten fünfundzwanzig Jahren zum Hauptorgan für die Verbreitung terranischen Wissens auf Darkover. Bemerkenswerte Frauen.«
»Freie Amazonen? Nennen sie sich selbst so?«
»Sehr scharfsinnig von Ihnen. Nein, das ist ein Name, den man ihnen angeheftet hat - die meisten Frauen auf Darkover könnten eine Amazone nicht von einem Rabbithorn unterscheiden. Die Entsagenden sind eine Art kulturelle Anomalie, unabhängige Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft. Sie lernen lesen und schreiben, was auf Darkover immer noch unüblich ist, und sie beugen sich keinem Mann in irgendeiner Beziehung. Daher der Spitzname Amazonen. Sie studieren alles, von Kampfsport bis Heilkunde. Sogar mehrere Terranerinnen sind Entsagende geworden..."
Brigham Conover, der Leiter der Ethnologie im terranischen Hauptquartier 'Asharras Rückkehr' (Seite 169/170)

Die Geschichte der Entsagenden

Wer wird eine Entsagende

Bräuche der Entsagenden

Die Eid der Entsagenden

Text:

Erläuterungen

Men dia pre' z'buiro

Von diesem Tage an (so schwöre ich)

entsage ich dem Recht zu heiraten,

Da die Heiraten von den Familien arrangiert wurden, stellt dies eine Loslösung von den familiären Bindungen und Verpflichtungen dar, einschließlich der zwischen der Entsagenden und ihren Eltern, wozu auch der Verzicht auf das Erbe gehört.

außer als Freipartnerin.

Mit dieser Ausnahme behält sich die Entsagende das Recht vor, sich im Rahmen einer Freipartnerschaft, also der Bindung durch ein gegenseitiges Versprechen, einen Bettpartner oder Liebhaber zu nehmen. Freipartner teilen das Eigentum und die Verantwortung für das Aufziehen der Kinder.

Kein Mann soll mich di catenas binden,

Damit entsagt die Frau den Privilegien, der Morgengabe, der Überschreibung von Landbesitz und anderem Eigentum auf die Ehefrau, den Titeln, dem Erbanspruch für sich selbst und für ihre Kinder und anderen Rechten, die der Ehefrau bei dieser ältesten Form der Eheschließung übertragen werden.
Es ergibt sich daraus, daß sie der Autorität des Domänenlords (auch des Hastur-Lords), der normalerweise die catenas als Zeichen für das Einverständnis mit der Heirat, um die Handgelenke der Parteien schließt, nicht anerkennt und nicht auf seinen Schutz reflektiert.

und ich werde in keines Mannes Haushalt als barragana leben.

Von der höchsten bis zur (außer der Prostitution) niedrigsten Form werden alle Verbindungen abgelehnt. Die beiden Bestimmungen sind auf casta genau gegeneinander abgewogen.

Mit diesen Worten hat die Entsagende sich von ihrer Familie und allen darauf beruhenden Privilegien entsagt. Im nächsten Teil muss sie sich nun für ihr eigenes Leben verantwortlich zeigen, etwas, das eine Frau die noch unter dem Schutz der Familie steht niemals bräuchte.

Text:

Erläuterungen:

Z'buiro,

Ich schwöre,

daß ich bereit bin, mich mit Gewalt zu verteidigen, wenn man mich mit Gewalt angreift,

Zwei weitere gegeneinander abgewogene Bestimmungen. Der Sinn ist, daß die Entsagende dem Schutz entsagt, den eine Frau normalerweise vom Vater oder Ehemann erwarten kann, und gleichzeitig versichert, daß sie lernen kann und muss, ohne diesen Schutz zu überleben.

und daß ich keinen Mann um Schutz bitten werde.

Verzicht auf jeden weiteren Anspruch an die Familie, selbst wenn es um den lebensnotwendigen Bedarf geht. Von jetzt an ist ihr Heim nicht mehr das Haus des Vaters, sondern das Gildenhaus.

Damit hat sich die Entsagende dazu verpflichtet zur Gänze die Verantwortung für ihr Leben selbst zu tragen. Nun muss sie auch auf ihren Namen verzichten, da der alte in jeder Form Bezug zu dem Leben nehmen würde, dem sie nun entsagt hat.

Text:

Erläuterungen:

Men dia pre' z'buiro,

Von diesem Tage an (so schwöre ich),

daß ich nie mehr den Namen eines Mannes führen werde, sei er Vater, Vormund, Liebhaber oder Gatte, und allen als...

Verzicht auf die Identifizierung mit der Kaste, dem Clan, der Familie, in der sie geboren wurde, wie jeder Familie in die sie durch Heirat aufgenommen werden könnte.

(Vorname) nikhya mic (Vorname der Mutter) bekannt sein werde.

z.B. Margali, Tochter Ysabets. Die ultimate biologische Verbindung zwischen Mutter und Tochter wird in diesem begrenzten Ausmaß anerkannt.

Im folgenden Teil nimmt die Entsagende in ihrem Eid Bezug zu ihrem weiteren Geschlechtsleben und der Art, wie sie dies selbstständig bestimmen will und welche Formen sie ablehnt.

Text:

Erläuterungen:

Men dia pre' z'buiro;

Von diesem Tage an (so schwöre ich),

daß ich mich einem Mann nur hingebe, wenn ich den Zeitpunkt bestimmen kann und es mein eigener freier Wille ist.

Hier wird den sozialen Beziehungen entsagt, die durch eine Ehe entstehen, nicht dem Geschlechtsverkehr oder gar der Liebe. Die Entsagende erhebt Anspruch auf das Eigentumsrecht an ihrem Körper, den sie verschenken kann, wenn sie es wünscht, aber nicht auf den Befehl eines Mannes zur Verfügung stellen muss.

Ich werde niemals mein Brot als das Objekt der Lust eines Mannes verdienen

Nicht nur die Prostitution wird hier abgelehnt, nicht nur der Status einer barragana, nicht nur der Beruf einer Künstlerin, deren Einkommen davon abhängt, daß sie die Männern ein hübsches Gesicht und eine gute Figur zeigt, sondern auch jede Art von Beschäftigung, bei der die Amazone prinzipiell oder ausschließlich als Sexobjekt auftreten muss, z.B. in dem sie sich auf terranische Art kleidet.

Nun geht es noch im die Kinder, die eine Entsagende nach ihrem Eid gebären wird.

Text:

Erläuterungen:

Z'buiro,

Ich schwöre

daß ich ein Kind nur dann gebären will, wenn es mein Wunsch ist, das Kind von diesem Mann und zu diesem Zeitpunkt zu empfangen.

Ablehnung des Hauptgrundes für alle Ehen auf Darkover.

Weder die Familie noch der Clan des Mannes, weder Fragen der Erbfolge noch sein Stolz oder sein Wunsch nach Nachkommenschaft sollen dabei Einfluß auf mich haben.

Parallele zu den Bestimmungen im vorhergehenden Absatz.

Wenn ein Kind geboren wird, muss es auch erzogen werden. Im folgenden Absatz nimmt die Entsagende das Recht diese Erziehung zu bestimmen für sich in Anspruch.

Text:

Erläuterungen:

Z'buiro,

Ich schwöre

daß ich allein bestimmen werde, wie und wo ein von mir geborenes Kind erzogen werden soll, ohne Rücksicht auf die Stellung oder den Stolz eines Mannes.

Damit wird ihre Nachkommenschaft den Ansprüchen, die die Familie, der Clan und unter Umständen die Comyn andernfalls stellen könnten, entzogen. Es gibt praktisch keine Vorschriften darüber, wer dazu ausgewählt werden kann, das Kind einer Entsagenden aufzuziehen. Töchter werden normalerweise im Gildenhaus erzogen, Söhne im Alter von fünf Jahren (nicht der geeignetste Zeitpunkt für eine Trennung!) an einen Pflegeplatz fortgeschickt, den die Mutter bestimmt, doch kann dies auch früher geschehen.

Nachdem die Frau nun bereits allen Ansprüchen gegenüber ihre Familie entsagt hat, entsagt sie diesen nun das Recht Ansprüche an sie zu stellen und zählt auf, wem von nun an ihre Treue gilt.

Text:

Erläuterungen:

Z'buiro,

Ich schwöre

daß ich allein bestimmen werde, wie und wo ein von mir geborenes Kind erzogen werden soll, ohne Rücksicht auf die Stellung oder den Stolz eines Mannes.

Damit wird ihre Nachkommenschaft den Ansprüchen, die die Familie, der Clan und unter Umständen die Comyn andernfalls stellen könnten, entzogen. Es gibt praktisch keine Vorschriften darüber, wer dazu ausgewählt werden kann, das Kind einer Entsagenden aufzuziehen. Töchter werden normalerweise im Gildenhaus erzogen, Söhne im Alter von fünf Jahren (nicht der geeignetste Zeitpunkt für eine Trennung!) an einen Pflegeplatz fortgeschickt, den die Mutter bestimmt, doch kann dies auch früher geschehen.

Nachdem die Frau nun bereits allen Ansprüchen gegenüber ihre Familie entsagt hat, entsagt sie diesen nun das Recht Ansprüche an sie zu stellen und zählt auf, wem von nun an ihre Treue gilt.

Text:

Erläuterungen:

Men dia pre' z'buiro

Von diesem Tage an (so schwöre ich)

enden für mich alle Verpflichtungen,

Verzicht auf jede Form von Schutz, die diese Institutionen gewähren.

die ich gegenüber Familie, Clan, Haushalt, Regent oder Lehnsherr hatte.

Hinweis darauf, daß auch der Wille Hasturs nicht das Gesetz des Landes ist.

Achtung schulde ich, wie jeder freie Bürger, nur den Gesetzen des Landes,

Versicherung, daß die Amazone keine Gesetzlose ist. "Freier Bürger" bedeutet normalerweise einen Mann.

dem Königtum, der Krone und den Göttern.

Dies ist eine aufsteigende Reihenfolge: Das soziale System, sein Herrscher und die vier Götter stellen jeweils höhere Autoritäten über ihren eigenen Willen dar.

Ich werde an keinen Mann Rechtsansprüche stellen, daß er mich beschütze, mich ernähre oder mir helfe.

Normalerweise hat eine Frau auf Darkover gesetzlichen Anspruch auf den Schutz entweder durch die Familie, der sie entstammt, oder in die sie eingeheiratet hat. Diesem Recht entsagt die Entsagende; im folgenden Absatz wird dargelegt, an welche Stelle sie sich statt dessen zu wenden hat.

Eine Treuepflicht habe ich nur gegenüber meiner Eidesmutter, meinen Schwestern in der Gilde und meinem Arbeitgeber, solange ich bei ihm beschäftigt bin.

Eidesmutter ist die Frau, die der neuen Amazone den Eid abgenommen hat. Mit "Schwestern" sind zunächst jene in ihrem Gildenhaus gemeint, doch erstreckt sich die Bezeichnung auch auf alle anderen Entsagenden.
Die Erwähnung des Arbeitgebers schließt an die alte Tradition an, daß das freiwillige Eingehen eines Beschäftigungsverhältnisses zum Zweck des Broterwerbs einen Vertrag bedeutet, sei er schriftlich, mündlich oder stillschweigend geschlossen, nach dem beide Parteien verpflichtet sind, die gegenseitigen Interessen zu wahren.

Nach dem sie sich zuvor kurz zur Treue an die Gilde der Entsagenden bekannt hat, wird dies nun noch genauer ausformuliert und die wichtigsten Regeln dieser Gilde werden ebenfalls mit einem Schwur unterlegt.

Text:

Erläuterungen:

Y z'buiro,

Und ich schwöre,

daß jedes einzelne Mitglied der Gilde der Entsagenden für mich sein soll wie meine Mutter, meine Schwester oder meine Tochter, geboren aus einem Blut mit mir,

Eine erwählte Familie, aber mit den gleichen Verpflichtungen, die normalerweise auch die Mitglieder einer durch Blutsbande verknüpften Familie gegeneinander haben.

und daß such keine Frau, die der Gilde durch ihren Eid angehört, vergeblich um Hilfe an mich wenden soll.

Setzt die Verpflichtung zum Schutz woraus, die normalerweise zwischen Vater und Tochter oder Ehemann und Ehefrau besteht.

Damit wurde die Gilde der Entsagenden zur neuen Familie der Frau. Nun kommen noch ihre neuen Pflichten bzw. die Bindung an diesen Eid, und die Konsequenzen falls die Frau diesen nicht einhält.

Text:

Erläuterungen:

Y z'buiro, daß ich von diesem Augenblick an

Und ich schwöre... (Intensivierung der rituellen Formel)

den Gesetzen der Gilde der Entsagenden und

Parallel zum vorherigen Abschnitt: Rechte ziehen Pflichten nach sich.

jedem rechtmäßigen Befehl

das Schlüsselwort hier ist rechtmäßig.

meine Eidesmutter, der Gildenmütter und meiner gewählten Anführerin gehorchen werde.

Nur in Situationen, wo Gründe bestehen, daß diese Personen Befehle geben.

Und wenn ich ein Geheimnis der Gilde verrate oder meinen Eid breche, dann werde ich mich der Strafe unterstellen, die die Gildenmütter über mich verhängen.

Die Gilde der Entsagende hat eigene Gesetzte für ihre Mitglieder und innerhalb ihrer Häuser.

Und wenn ich dies nicht tue,

D.h., die vorhergehende Bestimmung nicht erfülle, also nicht in den Entsagenden-Status zurückkehre

dann möge sich die Hand jeder Frau gegen mich erheben.

Sie sollen mich erschlagen dürfen wie ein Tier und meinen Körper unbeerdigt der Verwesung und meine Seele

Anders als bei einer gesetzlichen Hinrichtung. Tiere werden normalerweise nicht beerdigt.

der Gnade der Göttin überlassen.

Jeder Darkovaner versteht, daß hier Avarra gemeint ist

Nach der Abnahme dieses Eides ist die Frau Mitglied in der Gilde der Entsagenden und untersteht allein deren Regeln und Normen.



Der Text des Eides und die Erläuterungen stammen aus „Die freien Amazonen von Darkover, Moewig Ullstein, Rastatt 1994“ und wurden von Walter Breen erstellt. Die Übersetzung stammt von Rosemarie Hundertmarck. Alle Rechte liegen bei den Urhebern und dem Verlag.

Ich habe mit lediglich erlaubt, daß Wort Amazone durch 'Entsagende' zu ersetzen, da das Wort Amazone terranischen Urprungs ist, außerdem habe ich die Eidesformel jeweils in der darkovanischen Form, sofern möglich, angegeben.

 
die_entsagenden.txt · Zuletzt geändert: 2009/12/21 22:50 von farlean
 
Recent changes RSS feed Creative Commons License Donate Powered by PHP Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki